Urteile Geburtsschadenrecht

Schwerbehinderung nach Geburtseinleitung mit Cytotec: 300.000 Euro Schmerzensgeld

Landgericht Berlin, Az. 6 O 425/12, 02.07.2020 | In diesem Rechtsstreit nimmt der Kläger die Beklagten (die Trägerin des Sankt-Gertrauden-Krankenhauses in Berlin-Wilmersdorf, deren angestellte ÄrztInnen sowie eine Hebamme des Krankenhauses) wegen ärztlicher Behandlungsfehler und Aufklärungsfehler im Zusammenhang mit seiner Geburt am 11. November 2009 auf Ersatz des immateriellen Schadens und Feststellung der Ersatzpflicht materieller Schäden in Anspruch. Das Landgericht Berlin – Zivilkammer 6 – hat diesen Anspruch in seinem Urteil vom 02.07.2020 für Recht erklärt und die Beklagten als Gesamtschuldner dazu verurteilt, an den Kläger 300.000 Euro nebst Zinsen zu zahlen. Außerdem hat es festgestellt, dass die Beklagten als Gesamtschuldner verpflichtet sind, dem Kläger die bereits entstandenen sowie alle zukünftig entstehenden materiellen Schäden zu ersetzen, soweit sie nicht auf einen Sozialversicherungsträger oder sonstige Dritte übergehen oder übergehen werden.

Die Mutter des Klägers hatte am Tag der Geburt mehrere Dosen des Medikamentes „Cytotec“ zur Geburtseinleitung erhalten. Das Medikament wurde im so genannten „Off Label Use“ verwendet und ist zur Geburtseinleitung eigentlich nicht zugelassen. Die Mutter des Klägers warf den Beklagten vor, sie nicht rechtzeitig über das Medikament und seine Risiken sowie über die Risiken der Geburtseinleitung aufgeklärt zu haben. Wäre das geschehen, hätte sie sich weitergehend informiert und der Einnahme des Medikamentes nicht zugestimmt. Außerdem konnte sie darlegen, dass sie nicht über mögliche Behandlungsalternativen, wie etwa einen primären Kaiserschnitt, aufgeklärt wurde.

Aufgrund von Komplikationen – einer vorzeitigen Plazentaablösung – wurde der Kläger durch einen Notkaiserschnitt zur Welt gebracht, in dessen Verlauf es zu einer schweren perinatalen Asphyxie kam, die wiederum den beklagten Gehirnschaden des Klägers zur Folge hatte. Der Kläger ist seit der Geburt schwerbehindert und muss Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen.

Nach Urteil des Gerichtes war das Unterlassen der ordnungsgemäßen Aufklärung der Mutter des Klägers kausal für den eingetretenen Schaden. Der Kläger konnte den Beweis erbringen, dass es bei Durchführung eines primären Kaiserschnitts anstelle der Geburtseinleitung mit Cytotec zur vorzeitigen Plazentaablösung nicht gekommen wäre.

Das komplette Urteil können Sie als PDF herunterladen.

Urteil als PDF herunterladen …